Zurück Home Nach oben Weiter

Die Vereinigungsprinzipien

Kapitel 5: DIE WIEDERKUNFT

Die Mission des Herrn der Wiederkunft
Jesus und das zweite Kommen Christi
Jesus und das Christentum
Die Geschichte des Christentums: Kain-Abel-Teilungen
Historische Parallelen
Uebersicht ueber die parallele Entwicklung der Geschichte Israels und des Christentums
Die letzten 400 Jahre
Demokratie
Christentum und Wissenschaft
Ost und West

Jesu Aufgabe war es nicht, eine neue Religion zu errichten. Die Mission des Messias geht ueber die Grenzen einer speziellen religioesen Gruppe hinaus. Israel war bloss die vorbereitete zentrale Nation, die als Sprungbrett fuer den Messias dienen sollte, um alle Menschen und Religionen der Welt zu erreichen. Gottes Absicht ist es, alle Menschen, egal welcher Rasse, Religion oder Nation sie angehoeren, zu vereinen und zu retten. Als jedoch Jesus von den damals lebenden Menschen verworfen wurde, stand es fuer Gott fest, dass er ein neues Fundament in der Welt errichten muesse, um den Messias ein zweites Mal senden zu koennen. Dies sollte gemeinsam mit dem Aufbau einer neuen Religion vor sich gehen, durch die Jesu Lehre und Erloesungswerk auf der ganzen Welt verkuendet werden koennte. Dass diese Aufgabe immer noch schwierig sein wuerde, ist allein aus der Suendhaftigkeit der Welt zu verstehen; ja, sie muss sogar noch komplexer sein, da sowohl die Bevoelkerungsdichte als auch die Besiedelung der Erde zunehmen. So wird verstaendlich, dass Gott eine weltweite Bewegung braucht, die ein Glaubensfundament und ein substantielles Fundament errichtet, um den Messias auf weltweiter Ebene empfangen zu koennen. Paulus, der Hauptapostel dieser neu emporwachsenden Bewegung, die sich selbst als "der Weg" bezeichnete, verkuendete: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid 'einer' in Christus Jesus" (Gal 3,28).

Wann wuerde er kommen? Manche Aussage Jesu deutet darauf hin, dass er noch vor dem Tod einiger seiner Juenger wiederkommen wuerde (Joh 21,22-23); sie alle aber starben, noch ehe er wieder auf Erden erschien. Wir erklaeren uns diesen Ausspruch Jesu so, dass er seine Nachfolger dazu ermutigte, schnell und ernst das Fundament fuer seine Wiederkunft zu bereiten. Der staendige Aufstieg neuer Nationen, das zahlreiche Auftauchen neuer Religionen und das Vermischen der Kulturen im Roemischen Reich haetten leicht die neue, in den Anfaengen stehende Sekte aufsaugen koennen, wenn sie sich nicht schnell ausbreitete. Die Christen hatten grosse Verfolgungen auszustehen und mussten bereit sein, fuer diese Sache zu sterben. Jesus wusste, dass eine 2000jaehrige Arbeit mit dem israelitischen Volk notwendig war, um die geeigneten Bedingungen fuer Jesu Kommen bereitzustellen. Damit der Messias wiederkommen koennte, wuerde es womoeglich genausolange dauern. Es musste also von denjenigen ein starkes Fundament errichtet werden, die an den gekreuzigten Herrn glaubten. Nachdem Jesus starb, kehrte er in verklaertem geistigen Zustand wieder, um seine verstreuten Anhaenger zu sammeln und sie zu lehren, das Evangelium der Reue und der Vergebung der Suenden zu predigen, sowie alle Nationen in seinem Namen zu taufen. Er hinterliess der Erde das Versprechen, dass der Heilige Geist herabkommen wuerde, um ihnen die Macht fuer die Erfuellung ihrer Mission zu geben (Lk 24,49). Das geschah zum ersten Mal zu Pfingsten (Apg 2), dem Tag der Gruendung des Christentums. Die Mission des Christentums verlief parallel zu der juedischen Religion: es geht um die Errichtung eines Glaubensfundaments fuer das Kommen des neuen Adam, des Messias. Das Christentum verstand sich selbst nie als das Ende. Seine Verantwortung war es, ein weltweites Fundament fuer Christi Wiederkunft zu bereiten.

Die Mission des Herrn der Wiederkunft

Gott ist absolut in seiner Sehnsucht nach der Erfuellung seines Schoepfungsideals durch den Messias. Jesus verglich die Rolle des Messias mit einem Senfkorn (Mt 13,31). Die einzige Moeglichkeit, die gefallene Welt zu retten, besteht darin, einen Samen der Reinheit in deren Mitte einzupflanzen, der zu einem grossen Baum heranwachsen kann und den wahren Standard und Zweck des Lebens ausstrahlt. Gottes Absicht fuer die Geschichte blieb gleich, auch nach der Kreuzigung: die Erfuellung der drei Segen auf Erden. Der Messias wurde von den Menschen seiner Zeit verworfen und ermordet, aber die Vorsehung ging unbeirrt weiter, und das Ziel der Errichtung des Reiches Gottes auf Erden blieb das gleiche. Der zweite Adam, Jesus, starb, ohne den zweiten und dritten Segen erfuellt zu haben. Das macht ein zweites Kommen, einen dritten Adam notwendig. Er wuerde als ein suendenloser Mann geboren werden, wie es auch der erste und zweite Adam waren.

Das Judentum sollte die Menschen durch das Gesetz und den Tempel auf den Messias vorbereiten. Wenn der Messias dann kommt, waere es fuer das Volk wichtiger, ihm nachzufolgen, als strikt am Buchstaben des Gesetzes zu haengen (Joh 5,45-47). In aehnlicher Weise ist es die Rolle des Christentums, die Welt auf das zweite Kommen Christi vorzubereiten, indem es im Glauben und im Leben den Standard Jesu vorbildlich verwirklicht. Wenn der Messias jedoch wiederkommt, wird er dem Christentum eine Botschaft bringen, die moeglicherweise ueber unser Verstaendnis von Gottes Willen hinausgeht, ja ihm vielleicht sogar widerspricht. Da das zweite Kommen eine Mission auf weltweiter Ebene ist, wird der Herr durch das Fundament des Christentums in vielen Kulturen und Nationen zu wirken versuchen. Er wird so, wie Jesus es tat, an der Vereinigung der Menschen durch den Glauben an Gott, jenseits von Rasse, Nation oder Religion, arbeiten. Jesus errichtete das Modell der Erloesung auf individueller Ebene; deshalb konzentrierte sich das Christentum sehr stark auf die persoenliche Erloesung, die persoenliche Beziehung zu Gott. Der wiedergekehrte Messias wird jedoch versuchen, dieses Modell auf Familien-, Gesellschafts-, nationale und weltweite Ebene zu erweitern. Dazu muss er seinen Willen in unserer Gesellschaft und unserer Welt durchfuehren. Zweifellos wird er unter den angesehensten Menschen und Institutionen der Welt grosse Gegner haben. An diesem Punkt wird die Erloesung nicht von unserer Hingabe an die Tradition und Institution des Christentums abhaengen, sondern vielmehr von unserer direkten Mitarbeit mit dem lebendigen Christus auf Erden. Hiermit ueberschreiten wir die Idee von einem Christentum, dass nur diejenigen gerettet wuerden, die "Christen" genannt werden. Gott liebt noch immer die ganze Welt und wird fuer alle Menschen und Nationen sprechen (Mt 25,31-46). Die Erloesung wird, wie es auch schon zu Jesu Zeiten der Fall war, nicht von der Vergangenheit eines Menschen abhaengen, sondern von seiner Erwiderung auf Gottes unmittelbares Wirken in der Welt. Das ist eine weltweite Erloesung. Gottes Liebe ist weit umfassender als wir begreifen koennen. Und wie so viele glaeubige Anhaenger des juedischen Glaubens versagten, Jesus anzunehmen, als er kam, und dadurch Gott zurueckwiesen, so moegen auch viele Christen in ihrer letzten Verantwortlichkeit versagen und dadurch Gott zurueckweisen, wenn sie dem Messias, wenn er wiederkommt, nicht nachfolgen (Mt 7,22-23). Sogar gute und gewissenhafte Menschen moegen den Messias zurueckweisen, wenn sie nicht bereit sind, ihr Herz fuer das Verstaendnis seiner Mission zu oeffnen. Manchmal kann das Vertrauen auf die Rechtfertigung durch unsere eigenen "guten Werke" zu einer engstirnigen, lieblosen Haltung fuehren, die uns daran hindert, uns fuer die ganze Welt um der Sache Gottes willen hinzugeben.

Jesus und das zweite Kommen Christi

Im Abschnitt ueber das Prinzip der Schoepfung haben wir festgestellt, dass es keine Moeglichkeit der Reinkarnation gibt. Wenn einmal der physische Koerper stirbt, kann kein Mensch mehr ein neues physisches Leben beginnen. Die Tragoedie von Jesu Tod bedeutete vor allem, dass er niemals mehr einen physischen Koerper haben wuerde, mit dem er die drei Segen erfuellen koennte. Da also der Messias dafuer physisch erscheinen muss, muessen wir annehmen, dass er zwar als ein anderer Mann, aber im Geist und der Kraft Jesu und mit derselben Mission kommen wird. Wir weisen diesbezueglich auf das zweite Kommen des Elia hin, wie es in der Bibel und in vorliegender Abhandlung beschrieben wird: dass Johannes der Taeufer im Geist und in der Kraft des Elia kam, um die Mission des Elia zu vollenden, die dieser 900 Jahre vorher begonnen hatte. Man nannte ihn auch Elia. Und doch waren Johannes der Taeufer und Elia nicht dieselbe Person. In aehnlicher Weise wird bei der Wiederkunft Christi nicht Jesus von Nazareth selbst zurueckkehren. Offb 19,12 und 2,17 besagen, dass der Herr der Wiederkunft einen Namen haben wird, den niemand kennt. Es heisst auch: "Und sein Name heisst: 'Das Wort Gottes" (Offb 19,13).

Jesus war die Verkoerperung des Geistes der Wahrheit. Obwohl der Mensch Jesus getoetet wurde, wirkte der Geist der Wahrheit durch Menschen auf der Erde weiter. "Man beachte die Unterscheidung zwischen dem Geist der Wahrheit, der Christus ist, und einem Individuum mit einem menschlichen Namen. Dieser Name mag geschichtlich mit dem Geist der Wahrheit in Verbindung gebracht werden. Aber der Geist der Wahrheit begann nicht mit irgendeinem Men schen - er endet auch nicht mit einem Menschen - er verwendet nur Menschen. Wann immer der Geist der Wahrheit eine Stimme bekommt, ist es weise, zuzuhoeren" (A. Ford, "Unknown but Known", S. 133).

Jesus sprach von der gleichen Sache, indem er sagte: "Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der fuer immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann..." (Joh 14,16-17). Viele dieser Aussagen Jesu ueber das zweite Kommen koennen wir im Lichte dieses Verstaendnisses vom Geist der Wahrheit betrachten. Bevor Jesus in Jerusalem zum Tode verurteilt wurde, sprach er vom Geist der Wahrheit, der im Herrn der Wiederkunft wohnt. "Noch vieles habe ich euch zu sagen; aber ihr koennt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit fuehren. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hoert, und euch verkuenden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkuenden" (Joh 16,12-14).

Der Herr der Wiederkunft soll das, was Jesus begonnen hatte, auf Erden vollenden. Er soll Klarheit ueber das Wesen der Suende und anderer Dinge verschaffen, die Jesus niemals dem bereits zweifelnden Volk erzaehlen konnte. Er ist der Helfer, so wie es auch fuer Jesus prophezeit war (Jes 9,6). Er wird nicht aus sich heraus sprechen, so wie Jesus sagte, dass er nichts von sich aus tat (Joh 5,19). Wir erkennen in jener Stelle von Joh 16, dass Jesus klar von dem dritten Adam sprach, der kommen und Jesus verherrlichen sollte, indem er die messianische Mission erfuellte.

Bibelwissenschaftler stimmen im allgemeinen darin ueberein, dass es unklar sei, ob Jesus von sich selbst oder von jemand anderem in bezug auf das zweite Kommen sprach. Es waren die spaeteren Vertreter der Kirche und nicht Jesus, die das starre Konzept von einem Jesus schufen, der selbst wiederkehren wuerde. Dies hat den Glauben der meisten Christen waehrend der Geschichte gepraegt. Wenn wir an dieser Tradition zu strikt festhalten, laufen wir Gefahr, die wahre Bedeutung dessen zu verkennen, was Jesus sagen wollte. Das zweite Kommen ist ein Ereignis, das uns weit ueber die Grenzen des Christentums hinaustragen koennte. So sagte auch der Theologe Norman O.Brown: "Der erste Tabernakel ist Jerusalem, der zweite die Universelle Kirche, der dritte der offene Himmel".

Jesus und das Christentum

Das Ziel der ersten Christen war das zweite Kommen, obwohl sie nicht genau wussten, wie oder wann es eintreten wuerde. Sie waren der Same einer geistigen Revolution, die die westliche Welt so sehr beeinflusste, dass sogar unser Kalendersystem davon ausgeht, dass zur Zeit Jesu eine neue Geschichte begann. Das Verstaendnis des fruehen Christentums von Jesus liess ihn als Mittler eines neuen Bundes zwischen Gott und Menschen erscheinen (Hebr 12,24), den Pionier und den Vollender unseres Glaubens (Hebr 12,2), das Bild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15), und unseren Herrn und Erloesers (1 Joh 4,14). Er wurde nicht als Gott selbst betrachtet, wohl aber als der Sohn Gottes.

Wir schliessen uns der Meinung an, dass Jesus ein einzigartiges menschliches Wesen war, das suendenlos geboren wurde und eins mit Gott war, als die vollkommene Inkarnation des Geistes der Wahrheit, des Christus. Jesus erfuellte den ersten Segen, wurde zum Abbild Gottes und brachte die goettliche Natur zum Ausdruck. Jesu Sehnsucht war es aber, zu zeigen, wie alle vollkommen werden koennten (Mt 5,48; Joh 14,12). Die ersten Christen glaubten an einen Gott, den Vater, wie es auch im juedischen Glauben bekannt war. Jesus war der Erloeser, der den Weg zeigte, diesen einen Gott als Vater und Mutter der Menschheit kennenzulernen. Jesus bezeichnete sich selbst in seiner Verkuendung nur als den Weg: "Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat" (Joh 12,44). Jesu Botschaft fuer die Menschen war die Liebe zu Gott, und nicht die Verehrung seiner selbst. Jesus antwortete: "Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut ausser Gott, dem Einen" (Mk 10,18; auch Joh 5,37; Lk 6,40; Mt 5,45). Mit der Zeit jedoch, in der sich die Botschaft des Evangeliums ausbreitete, muessen Zweifel und Enttaeuschungen unter der zunehmenden Schar der Christen aufgekommen sein, denn Christus war noch immer nicht wiedergekehrt, so wie er es versprochen hatte. Fragen erhoben sich: Wuerde Christus in woertlichem Sinn wiederkommen, oder als geistiges Wesen in den Wolken? Es entstanden Sekten innerhalb des Christentums, die behaupteten, von Gott inspiriert zu sein, und messias-aehnlichen Status zu haben. Wie sollte die Kirche ihre Lehre verbreiten und sich zugleich selbst vor den vielen Kontroversen und extremen Gruppen, die aus ihrer Mitte entsprangen, schuetzen? Diese und andere Probleme, die sich mit der Struktur der Kirche, der Autoritaet, dem Standard der Mitgliederschaft und ihrem Zweck auseinandersetzten, begann man mit dem ersten Oekumenischen Kirchenkonzil in Nizaea im Jahre 325 n.Chr. zu loesen.

Von diesem bis zum siebenten Konzil im Jahre 787 nach Chr. errichtete das Christentum sein orthodoxes Fundament in der Welt. Viele waren der Meinung, dass die getroffenen Entscheidungen eine vollkommene Manifestation des Willens Gottes seien. Andere wiederum sahen, dass politischer, sozialer und wirtschaftlicher Druck bei diesem Prozess wirksam war, und betrachteten deshalb allein menschliches Planen und Streben als die Wurzel der christlichen Strukturen, die damals errichtet wurden. Wir glauben, dass Gott durch diese Menschen gewirkt hat, da er kein anderes Fundament zu dieser Zeit zur Verfuegung hatte. Gottes vorrangiger Zweck war nicht das Erstellen einer praezisen Theologie, sondern vielmehr die Errichtung einer starken, wirksamen religioesen und sozialen Struktur mit Christus im Mittelpunkt. Trotz der vielen Fehler schien die Roemische Kirche die klarste Theologie gehabt zu haben und, was von noch groesserer Wichtigkeit ist, die staerkste und stabilste kirchliche Struktur.

Die Autoritaet Gottes auf Erden durch Christus konnte zu dieser Zeit am besten durch Rom bestaetigt werden. Das Konzil von Nizaea autorisierte einen gewissen Rahmen von christlichen und hebraeischen Schriften als offiziellen Kanon der Heiligen Schrift. Das Glaubensbekenntnis von Nizaea wurde zum absoluten Glaubenssatz erhoben, wodurch jeder Christ einen Standard des Glaubens und eine Massregel gegen die ketzerischen Lehren hatte, die in ihrer Gesellschaft sehr zahlreich waren. Eine wichtige Feststellung des Konzils war, dass Jesus eine Gott-Mensch-Natur hat, und mit dem Hl. Geist und dem Vater eine Dreieinigkeit bildet. Die Kirchenvaeter massen dem nie unbedingte metaphysische Bedeutung bei. Vom Standpunkt der Prinzipien der Schoepfung her betrachtet ist bedeutsam, dass Jesus und der Hl. Geist in der Position geistiger Eltern stehen, wodurch die Christen als Kinder eine Neugeburt erfahren koennen und zugleich das Vier-Positionen-Fundament errichten.

Die traditionelle Idee von der Dreieinigkeit gewinnt eine neue Bedeutung, wenn man sie zu Gottes urspruenglichem Ideal in Beziehung setzt. Durch den Verlust der urspruenglichen Dreieinigkeit und Familie wurde Gottes Sehnsucht, die Errichtung einer wiederhergestellten Dreieinigkeit, der Wahren Familie auf Erden, nicht erreicht.

Was war der Grund dafuer, dass die Kirchenvaeter Jesus solch eine absolute Position zuteilten, die philosophisch ueber den Glauben Jesu oder den seiner Juenger hinausging? Erstens gab es noch immer Enttaeuschung und Elend auf der Welt, das Reich Gottes war noch nicht gekommen. Nur wenige kamen dem Standard nahe, den Jesus lehrte. Sie wollten mit Vernunftgruenden glaubhaft machen, dass es unsere menschliche Natur ist, die uns daran hindert, diesen Standard zu erreichen, und so schrieben sie die Groesse Jesu der Tatsache zu, dass er Gott und Mensch zugleich hat sein muessen. Das fuehrte dazu, dass man die menschliche Natur fuer unheilbar suendig hielt, und dass die Vollkommenheit, die Jesus lehrte, von uns auf Erden nicht zu erreichen sei. Aus diesem Grund kam die Kirche zu der Auffassung, dass es unsere Bestimmung im physischen Leben sei, nicht vollkommen zu werden, ja dass sogar die menschliche Natur voellig verdorben sei, und daher nur durch Gottes Gnade in der Kirche gerettet werden koenne. Zum zweiten lenkte die besondere Hervorhebung Jesu die Aufmerksamkeit der Menschen von der Tatsache ab, dass das Reich Gottes auf Erden noch nicht gekommen war. Anstatt sich also auf das zweite Kommen zu konzentrieren, befassten sich die Christen mehr mit der Herrlichkeit Jesu. Zum dritten war fuer die Errichtung einer absoluten Religion ein absoluter Fuehrer notwendig, auf den sich die Menschen berufen konnten. Jesus war diese Person. Damit diese Person von der Gemeinschaft der Glaeubigen akzeptiert werden konnte, musste man in Jesus mehr als nur einen von den Propheten zu sehen. Da niemand Jesu Voll kommenheit und die wahre Natur seiner Gottessohnschaft gaenzlich verstand, stellten sie die Person Jesu irgendwo zwischen Gott und den Mensch hinein, wofuer sie auch beweiskraeftige Texte in der Bibel fanden, um diese Behauptungen zu stuetzen. Tiefe Erfahrungen mit Jesus und die Liebe vieler Menschen zu ihm, trug sowohl zu seiner grossen Bewunderung als auch zur Unsicherheit darueber bei, wer er wirklich war. Monolithische Verehrung Jesu mag zu dieser Zeit notwendig gewesen sein, aber dies schuf einen falschen Eindruck bei einigen heute lebenden Christen. Wegen dieser bereits anfangs getroffenen Entscheidungen fordern viele, dass Christsein bedeute, daran zu glauben, dass Jesus Gott sei, und schliessen diejenigen von der christlichen Bruderschaft aus, die nicht daran glauben. Dadurch laufen wir Gefahr, die urspruengliche Botschaft Jesu zu ignorieren, ja sogar zu verlieren, die in den beiden grossen Geboten begruendet ist: liebe Gott und liebe deinen Naechsten wie dich selbst. Christliche Fuehrer befassten sich mehr mit Theologie anstatt einander zu lieben, und die Kirchengeschichte der ersten Jahrhunderte bestand aus Fehden und Schismen, meist aufgrund von Unklarheiten in bezug auf Jesus. Einige Teile spalteten sich vom Kern des Christentums ab und schliesslich teilte sich die gesamte Kirche in die roemisch-katholische Kirche mit dem Zentrum in Rom und der oestlich orthodoxen Kirche mit dem Zentrum in Byzanz. All diese Spaltungen behinderten die Vorsehung Gottes stark.

Die Geschichte des Christentums: Kain-Abel-Teilungen

Die Geschichte des Christentums kann man in Form von Kain-Abel-Beziehungen betrachten, denn Gott ist darauf angewiesen, dass das Volk ein Glaubensfundament und ein substantielles Fundament errichtet, ehe er den Messias senden kann. Ohne jetzt den Versuch zu machen, eine spezielle Interpretation darueber zu geben, wer welche Position innehat, wollen wir nur kurz einige der groesseren Teilungen aufzeigen. Als die ersten juedischen Christen in ihrer Auffassung nicht universell genug waren, teilte sich das Christentum in Kain- und Abelparteien, wobei das juedische Christentum Petrus und Jakobus nachfolgte und die heidnischen Christen Paulus. Wir glauben, dass sich diese beiden Parteien haetten vereinigen sollen. Als dann spaeter der Zwiespalt und die Uneinigkeit unter den Christen nicht mehr anders geloest werden konnte, liess Gott eine Teilung der Kirche in einen oestlichen und westlichen Teil zu. Wir moechten darauf hinweisen, dass Gott vor dieser Spaltung daran arbeitete, ein vereinigtes Christentum (um 800 n.Chr.) zu schaffen, um dadurch das Fundament fuer den Empfang des Messias zu erstellen. Es ist auch wichtig zu bemerken, dass das Heilige Roemische Reich ein vereinigtes christliches Reich war. Zu dieser Zeit haette ein Fundament errichtet werden koennen, wobei es durch die Zweckheirat Karl des Grossen, dem Herrscher des Heiligen Roemischen Reiches und der Kaiserin Irene aus dem byzantinischen Reich zu einer Verschmelzung der Ostkirche mit der Roemisch-Katholischen Kirche gekommen waere. Diese Hochzeit fand jedoch nie statt. Die Parteien blieben aufgrund des Versagens der Schluesselfiguren in dieser Zeit weiterhin voneinander getrennt. Nie zuvor und auch nicht danach war das Christentum auf weltweiter Ebene so universell, wie es zur Zeit Karl des Grossen war. Spaeter entstand im Christentum ein Schisma zwischen Ost und West, das sich auch heute noch klar zeigt. Gegen Ende des Mittelalters, als die Struktur und Praxis der Roemisch-Katholischen Kirche an die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veraenderungen in Nordeuropa schlecht angepasst war, teilte sich das Christentum neuerdings durch die protestantische Reformation in Kain-Abel-Parteien. Anstatt friedvoller Reformen entstand ein heftiger Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken mit verheerenden Auswirkungen auf Europa durch den 30-jaehrigen und 100-jaehrigen Krieg. Auch heute noch bestehen diesbezueglich heftige Auseinandersetzungen in den verschiedenen Teilen der Welt. Seit der Reformation kann man in der Geschichte des Christentums staendige und bittere Spaltungen sehen. Obwohl heutzutage viel von dieser Bitterkeit nachgelassen hat, gibt es noch immer hunderte verschiedene christliche Glaubensrichtungen. Man sieht also deutlich die staendige Teilung im Christentum, obwohl es Aufgabe des Christentums ist, das substantielle Fundament zu errichten. Der Mangel an Einheit im Christentum ist die Krise unserer Zeit. Die zeitgenoessischen oekumenischen Bewegungen sind erst der Anfang in diesem Prozess, die Probleme und Ressentiments, die wir von dieser langen Geschichte der christlichen Spaltung vererbt bekommen haben, abzubauen. Wir sind jedoch noch immer weit weg vom Zustandekommen einer Vereinigung, die Gott sucht, ehe das Reich Gottes errichtet werden kann. Wir moechten hier feststellen, dass diese Vereinigung nichts mit Uniformitaet in der Doktrin oder sogar Praxis zu tun hat, sondern vielmehr eine Vereinigung im Herzen und im Ziel bedeutet. Das Ziel ist die Errichtung einer friedlichen und freien Welt, die den Messias empfangen und seinen Weg gehen kann. Das Christentum hat noch immer das Potential, seine Mission zu erfuellen. Was ihm den Weg versperrt, sind Probleme wie Fanatismus, Uneinigkeit und Intoleranz, welche meist durch die innerhalb des Christentums selbst bestehenden Doktrinen hervorgerufen werden.

Diese Schwierigkeiten muessen wir zuerst bereinigen, ehe wir hoffen koennen, die Rolle des Christentums fuer die Erloesung der Welt zu erfuellen. Wir muessen uns dessen bewusst sein, dass wir als Christen nicht davor gefeit sind, Gottes Segen zu verlieren: naemlich durch das Versagen, fuer die Worte Jesu Verantwortung zu uebernehmen.

Die Christenheit muss eine Einheit sein, um eine Kraft in der Welt darzustellen. Als der Abel auf weltweiter Ebene wurde ihm von Gott der Auftrag gegeben, mit allen Nationen und Kulturen harmonisch zusammenzuarbeiten. Wir werden von Gott und der Menschheit fuer unseren Erfolg oder unser Versagen in dieser Aufgabe gerichtet werden.

Historische Parallelen

Da der Zweck der Geschichte nach Jesus der Gleiche blieb wie zuvor, naemlich die Vorbereitung fuer das Kommen des Messias durch ein auserwaehltes Volk, und da auch die gleichen Prinzipien der Wiederherstellung wirken, erwarten wir, dass in gewissem Sinne in der christlichen Geschichte Parallelen zur Geschichte Israels zu finden sind. Betrachten wir nun die christliche Geschichte. Wie bereits im Prinzip der Schoepfung erklaert wurde, durchdringen die Prinzipien Gottes die ganze Wirklichkeit. Deshalb sind sie auch in der Geschichte wirksam. Deshalb ist die Geschichte nicht nur ein Ablauf von zufaelligen Ereignissen, sondern sie ist von Prinzipien gelenkt und soll dem Zweck Gottes dienen.

Einmal zeigen sich diese Prinzipien durch die natuerliche Entwicklung der Gesellschaft. Wir sehnen uns nach einem besseren Leben, machen neue Entdeckungen und fuehren soziale Neuerungen durch, um wirksamer und bequemer ueberleben zu koennen. Das kann man in unserer Geschichte im allgemeinen im Bereich der Kultur, im Transportwesen, in der Wirtschaft, in den Regierungsformen, in der Landwirtschaft, Wissenschaft und Technologie feststellen. Wir verwenden diese Entdeckungen und Fortschritte, um unserem Leben groessere Bedeutung, mehr Potential und Freude zu geben, und auch Gott kann durch diesen Fortschritt wirken.

Gott hat auch noch auf andere Weise in der Geschichte des Christentums gewirkt, naemlich durch die Prinzipien der Wiederherstellung. Die Einheit, der Wohlstand und die Lebensdauer einer christlichen Kultur ist abhaengig von der Erwiderung der Menschen auf Gottes Willen. Gottes Wille ist es, dass das Fundament des Glaubens auf das substantielle Fundament gelegt werde, damit der Messias auf weltweiter Ebene empfangen werden kann. Da diese beiden Prinzipien, naemlich das von der natuerlichen Entwicklung durch die Kreativitaet der Menschen und das des Wohlstandes durch Glauben und Gehorsam in Gott, sowohl in der juedischen als auch in der christlichen Geschichte wirkten, koennen wir gewisse Parallelen finden. Aufgrund der Zurueckweisung des Messias zur Zeit Jesu, fiel das gesamte Fundament in Israel, das in einer Zeit von 2000 Jahren errichtet worden war, in sich zusammen. Deshalb begann das Christentum mit der Errichtung des Fundaments fuer die Wiederkunft Christi nicht auf nationaler Ebene, sondern auf individueller und Stammesebene und folgte einem aehnlichen Kurs wie Israel. Wir sehen verblueffende Aehnlichkeiten in der Dauer der Zeitperioden jeder Aera, wie auch aehnliche Fehler, die gemacht wurden und die den Zusammenbruch von Gottes Vorsehung in Schluesselzeiten bewirkten. Wir finden parallele Entwicklungen von der Stammesebene zu einem Feudalsystem, zu einem monarchischen Typus der Gesellschaft, sowohl im Judentum als auch im Christentum. Auf Stammesebene hatten die Israeliten in Aegypten die Sklaverei zu ertragen, und die fruehen Christen erlitten starke Verfolgung im Roemischen Reich. Das gab beiden Einheit und Staerke in ihren jeweiligen religioesen Ueberzeugungen, und sie entfalteten sich, um dominierende Positionen einzunehmen, und zwar Israel als eine Nation und das Christentum als die Staatsreligion Roms.

An diesem Punkt enstand religioese Orthodoxie: einerseits das Gesetz fuer Israel und andererseits die Glaubenssaetze und Doktrinen fuer das Christentum. Beide entwickelten sich zu einer Art Feudal-Gesellschaft, wobei Israel von den Richtern und das Christen tum von den Kirchenpatriarchen regiert wurde.

Sowohl in Israel als auch in Europa entwickelten sich die patriarchalischen Strukturen zu Monarchien, die von maechtigen Koenigen regiert wurden: Saul, David und Salomon in Israel, und Pippin, Karl der Grosse und dessen Soehne im Hl. Roemischen Reich. Eine monarchische Gesellschaft hat eine zentralistische Machtstruktur. Dies ist eine gefaehrliche Situation, da dieses System fuer Korruption sehr anfaellig ist; durch den Koenig besteht jedoch eine gewisse Autoritaet.

Uebersicht ueber die parallele Entwicklung der Geschichte Israels und des Christentums

Die menschliche Geschichte ist die Vorsehung Gottes, vergangene Fehler wiedergutzumachen und die Welt darauf vorzubereiten, den Messias zu empfangen. Als die zentrale Vorbereitung auf das zweite Kommen zeigt die christliche Geschichte verblueffende Parallelen zu den Ereignissen und der Art der Entwicklung in der juedischen Geschichte.

So kann, wenn der Koenig den Messias annimmt, Gottes Botschaft und Tradition dem Volk schnell uebermittelt werden. Sowohl das Judentum als auch das Christentum verzeichneten einen Niedergang vom Gipfel der Entwicklung der Vorsehung durch die Korruption der Koenige, Herrscher und Paepste. Das Resultat war einerseits die Teilung Israels in das Nordreich Israel und das Suedreich Juda, andererseits die Teilung des Hl. Roemischen Reiches in das Ost- und West-Frankenreich. Es bestand die Moeglichkeit, durch die Rueckkehr zur Einigkeit dieser Teilung ein Ende zu bereiten, was aber nicht geschah. Dadurch hatte sowohl das Christentum als auch Israel eine Periode der Verwirrung, der Selbstzerfleischung und einen Verlust an Macht zu erleiden.

Die Juden kamen ins Exil nach Babylon und das Papsttum verlor seine zentrale Bedeutung fuer die Angelegenheiten des Christentums durch die "babylonische Gefangenschaft des Papsttums" in Frankreich. Nach dieser Periode des Exils konnte Gott Reformen anregen, und man fand wieder eine neue Identitaet durch die Hinwendung zur fruehen Tradition. Fuer die Juden bedeutete es die Rueckkehr nach Israel, den Wiederaufbau des Tempels, und eine Ausbreitung im Bereich des Mittelmeeres. Im Christentum war es die protestantische Reformation, die sich als religioese und soziale Bewegung ausbreitete und fuer eine Rueckkehr zum Wesen und zur Einfachheit des fruehen Christentums eintrat. In der juedischen Geschichte wurde Jesus nach dieser letzten Periode geboren, die wir mit 400 Jahren seit Maleachi angeben. Wir erwarten, dass die Geburt des Herrn der Wiederkunft in einer Zeitparallele in der christlichen Geschichte stattfinden wird: das bedeutet 400 Jahre nach der Reformation, also im 20. Jahrhundert. Wir wollen uns nun naeher mit der Entwicklung der letzten 400 Jahre der christlichen Geschichte auseinandersetzen.

Die letzten 400 Jahre

Wie wir bereits oben besprachen, standen waehrend der Zeitperiode vor Jesus innerhalb des Roemischen Reiches der Hellenismus und das Hebraeertum in einer Kain-Abel-Beziehung zueinander, um die Voraussetzungen zu schaffen, in denen Jesus seine universelle Botschaft verkuenden konnte. Parallel dazu finden wir in der christlichen Geschichte die Renaissance, eine moderne hellenistische Bewegung, und die Reformation, eine moderne hebraeische Bewegung. Dem Prinzip der Wiederherstellung gemaess muss fuer den Empfang des Messias auf weltweiter Ebene eine weltweite Teilung in ein Kain- und Abel-Lager stattfinden, mit dem Ziel, sich zu vereinigen. Bei der Entwicklung der westlichen Geschichte sehen wir, dass sie in diesen letzten 400 Jahren diesem Prinzip folgte. Diese Entwicklung begann mit der italienischen Renaissance, wo, genauso wie in Griechenland 2000 Jahre vorher, grosse Fortschritte in der Kunst, Literatur, Erziehung, Wissenschaft und Medizin gemacht wurden. Diese Entwicklung stellte Schoenheit und das Potential des menschlichen Ausdrucksvermoegens in den Mittelpunkt und war die erste kainartige Entwicklung waehrend dieser 400 Jahre. Der Humanismus, die geistige Grundlage der Renaissance, brachte eine neue Freiheitshaltung in bezug auf die Autoritaet der Kirche, was, verbunden mit der Glaeubigkeit der Menschen, der protestantischen Reformation in Nordeuropa zum Durchbruch verhalf. Diese Stroemung stellte die Souveraenitaet und Autoritaet Gottes in den Mittelpunkt und war die erste abelartige Entwicklung dieser Periode. Diese beiden Trends sehen wir als Fundament fuer die Demokratie an, da dadurch der Wert des Einzelmenschen erhoeht und zugleich die autoritaere Struktur gebrochen wurde. Die nachfolgende Entwicklung brachte heftige Revolutionen mit sich, die das monarchische System sowohl auf der Kain- als auch auf der Abelseite umwarfen.

Von den staendigen religioesen Kriegen in ganz Europa angeekelt, kam man in der Zeit der Aufklaerung, die die zweite Stufe der kainartigen Entwicklung darstellt, zu einer gaenzlichen Ablehnung der Religion. Diese Welle politischer und philosophischer Gedanken, die den Menschen in den Mittelpunkt stellten, trug einerseits zu grossem wissenschaftlichen und philosophischen Fortschritt bei, andererseits aber auch zur amerikanischen und franzoesischen Revolution. Die amerikanische Revolution wurde von der Aufklaerung beeinflusst, zugleich aber auch von den religioesen Werten der Puritaner. Die Unabhaengigkeitserklaerung und die "Bill of Rights" bestaerkten mit Nachdruck unsere Position als Kinder Gottes als die Basis fuer unsere Rechte und Freiheiten in einer sozialen Ordnung. Deshalb nennen wir dies die Entwicklung der Abel-Typ-Demokratie, im Gegensatz zur Kain-Typ-Demokratie, die aus der franzoesischen Revolution hervorging.

Die franzoesische Revolution war im Kern atheistisch. Eines ihrer Hauptziele war die voellige Abschaffung der Religion in der Gesellschaft. Die Rechte des Menschen in der Gesellschaft waren bloss von der sozialen Bindung mit anderen menschlichen Wesen abhaengig. Die Folgen waren Massenaufruhr, Klassenhass und ein Blutbad in Paris, das die Wuerde der Nation voellig vernichtete. Diese Revolution versagte darin, die Ideale der Aufklaerung zu verwirklichen und fuehrte zur diktatorischen Herrschaft Napoleons. In Amerika und England nahm die Beliebtheit des aufklaerenden Denkens ab, und die zweite Stufe der abelartigen Entwicklung, das "Zweite Grosse Erwachen" fand statt. Es war eine weitverbreitete religioese Erweckung festzustellen, die zu einer Welle religioeser Bekehrungen und neuen Glaubensrichtungen fuehrte. Es entwickelten sich auch christlich- soziale Bewegungen, die fuer die Abschaffung der Sklaverei, fuer die Rechte der Frauen, fuer Maessigkeit, fuer Gesetze bezueglich Kinderarbeit und vieles andere eintraten. Auch die weltweite Missionsarbeit begann zu dieser Zeit ihre groesste Aktivitaet zu entwickeln. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde durch das Gedankengut von Karl Marx die dritte Stufe der kainartigen Entwicklung eingeleitet. Dabei wurde der humanistische Trend der Renaissance und die atheistische Philosophie der Aufklaerung zu einer absoluten Sicht des Menschen, der Schoepfung und der Geschichte, mit dem Materialismus und dem Atheismus im Mittelpunkt, radikalisiert. Wir stellen fest, dass, genauso wie die Renaissance eine Reaktion auf den extremen Hass innerhalb des europaeischen Christentums in dieser Zeit war, auch die Gedanken von Marx direkt aus dem Versagen des Christentums erwuchsen, die sozialen Probleme zu loesen, die durch die industrielle Revolution entstanden waren.

Das Versprechen des Kommunismus ist die Erloesung der Welt, aber er bedient sich der Macht einer totalitaeren Regierung, die sich als Vertreter des Volkswillens ausgibt. Der Kommunismus predigt hohe Ideale und behauptet, der einzige Weg zu einer harmonischen Welt zu sein. Indem er aber jede Vorstellung von Gott sowie unserer geistigen Natur leugnete, verwendete der Kommunismus Zwang und Mord als Hauptmittel, um diese Harmonie herbeizufuehren. Waehrend die westlichen Laender einander wegen Verletzungen der Menschenrechte, wie z.B. der Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit, kritisieren, ergreifen kommunistische Regime in politischer Hinsicht ihre Macht durch Massensaeuberungsaktionen, wobei Millionen von Menschen getoetet werden. Nach der marxistischen Doktrin ist ein Mensch nicht mehr als eine Einheit von Arbeit und Verbrauch und voellig entbehrlich, wenn es um des "Volkes" willen notwendig ist.

Die demokratische Welt kennt zwar viel Boeses, aber wegen der verhaeltnismaessig grossen Freiheit, derer wir uns erfreuen, kann Gott mit seiner Vorsehung hier arbeiten. Das Werk Gottes kann in kommunistischen Nationen nur unter grossen Schwierigkeiten vorangehen, da die Religion systematisch unterdrueckt wird. Der Kommunismus ist die Vollendungsstufe in der Entwicklung der Kainseite und hat sich die Zerstoerung der abelartigen christlich-demokratischen Welt zum Ziel gesetzt. Die Kain-Abel-Beziehung hat ihr Endstadium erreicht.

Demokratie

Die Demokratie ermoeglichte dem Christentum seine konstruktive Arbeit auf weltweite Ebene auszudehnen, und zwar durch die Idee eines freiwilligen Zusammen schlusses. Durch Amerika hat das Christentum seine groesste Chance, eine weltweite Bruderschaft zuwege zu bringen. Die Verantwortung Abels, sich fuer seinen minder beguenstigten Bruder aufzuopfern, liegt auf den Schultern der demokratischen christlichen Welt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika kamen durch direkten Einfluss und direkte Hilfe Gottes zustande. Sie sind das Zentrum der Abelwelt. Wir duerfen nicht vergessen, dass es die Mission des Abels ist, dem Kain zu dienen. Wenn Abel seine Verantwortung nicht erfuellt, wird er seinen Segen verlieren und den Zorn Kains heraufbeschwoeren, dem der Segen galt. Der unglaubliche Reichtum Amerikas ist nicht allein fuer seine eigene Freude bestimmt, sondern fuer die physische Erloesung der Menschheit. Wir haben eine Technik, die faehig ist, Gesundheit und Wohlstand in jeden Winkel dieser Welt zu bringen.

Der Kommunismus gewinnt dadurch an Macht, dass er Amerika der Selbstsuechtigkeit und des Imperialismus beschuldigt. Kaum jemand auf dieser Welt sieht sich aufgrund der Handlungsweise Amerikas dazu gezwungen, anders darueber zu denken. Trotz des Aufwands in der Auslandshilfe hat Amerika die Herzen der Menschen, denen es diente, nicht verstanden. Anstatt die zugrundeliegenden Ursachen zu bekaempfen, wurden Symptome gemildert. Wegen des selbstsuechtigen Imperialismus wurden oft andere Menschen ausgebeutet und politische Macht missbraucht. Der Wohlstand unserer Zeit soll das grosse Potential unseres Zeitalters ansagen. Es ist uns heutzutage klar, dass wir in einem Weltdorf leben und uns eine gemeinsame Zukunft bevorsteht, egal ob sie nun friedlich oder destruktiv sein wird. Da wir nun Weltbuerger sind, muessen unsere Augen auf die Welt gerichtet sein. Wir muessen die Welt von Gottes Gesichtspunkt aus betrachten und nicht vom Gesichtspunkt einer Nation, der uns nur eine bruchstueckhafte Menschheit sehen laesst.

Amerika und alle christlichen Nationen muessen sich die Worte Jesu vor Augen halten und sie realisieren, indem sie sich fuer eine Welt aufopfern und einen Standard der Gerechtigkeit errichten, nicht mit Arroganz, sondern mit Liebe. Dies schliesst Respekt fuer alle Kulturen, alle Religionen und alle Voelker mit ein. Es bedeutet, unser Geben dem anzupassen, was die Menschen brauchen und auch faehig sind anzunehmen. Dies wuerde unsere Jugend mit einer Vision und einem kreativen Betaetigungsfeld ausstatten, was all unsere Ideale und unsere Energie auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichten und nicht nur die Probleme unserer Nation, sondern auch die der Welt und Gottes Probleme loesen wuerde.

Christentum und Wissenschaft

Im 20. Jahrhundert muessen vom Christentum zwei grosse Kluefte ueberbrueckt werden: Die erste - zwischen Religion und Wissenschaft. Mit dem Niedergang des Feudalsystems und dem Aufstieg des Rationalismus, sollte die Entwicklung von Vernunft und Wissenschaft vom Christentum aufgegriffen und zum Aufbau einer besseren Welt verwendet werden. Aber das Christentum weigerte sich und beharrte auf einem dogmati schen antiwissenschaftlichen Standpunkt. Mit dem Entstehen der modernen Wissen schaft und dem Auftauchen neuer Generationen von religioesen Denkern, finden wir eine Basis fuer eine funktionsfaehige Beziehung zwischen Religion und Wissenschaft.

Albert Einstein sagte, dass Religion ohne Wissenschaft verkrueppelt sei, und dass Wissenschaft ohne Religion blind sei. Gott ist der Schoepfer der Welt, die die Wissen schaft analysiert. Deshalb muss uns die Wahrheit der Wissenschaft letztlich zu Gott fuehren. Die Vereinigung von Wissenschaft und Religion ist ein ausschlaggebendes Fundament fuer die Verwirklichung der Einheit unserer geistigen und physischen Existenz und dem Reich Gottes auf Erden.

Ost und West

Das Christentum, das die Moeglichkeit gehabt haette, die Kluft zwischen dem Orient und Okzident zu ueberbruecken, verstrickte sich tief in die weisse europaeische Kultur und Weltanschauung. Dies und unsere gefallene Natur bewirkten eine Entfremdung des Christentums vom Geist der nicht-westlichen Welt, besonders im Fernen Osten. Dadurch ist unsere Welt geteilt worden, und wir lebten praktisch als Fremde nebeneinander. Die meisten Hauptreligionen entstanden jedoch im Osten. Die Veranlagung des oestlichen Menschen birgt in sich einen Sinn fuer die Integration von Mann und Frau, Natur und Gesellschaft. Dem Leben wird eine intuitive Qualitaet beigemessen, die die Voreingenommenheit durch das Wissen, das analytisch, praezise und logisch ist, uebersteigen kann. Den Qualitaeten der Treue, der kindlichen Liebe und Gemeinschaft, die ihre Wurzel in der Familienethik haben, wird im oestlichen Denken ein heiliger Wert zugeordnet. Sie gehen Hand in Hand mit den metaphysischen Glaubenswahrheiten, die oestliche Religionen begleiten.

Weder Ost noch West sind fuer sich allein vollstaendig; sie ergaenzen sich gegenseitig und sind beide wichtig fuer die Erfuellung von Gottes Ideal und wahrem menschlichen Glueck. Weil der Westen soviel von dieser Einheit der natuerlichen und intuitiven Bereiche des Lebens verlor, muessen wir viel von unseren Bruedern und Schwestern im Orient lernen. Das Christentum umfasst das Wissen um die Existenz des Boesen, die Notwendig keit einer Erloesung und das Wissen ueber die Person Jesu. Diese Wahrheiten jedoch haben sich hauptsaechlich im Rahmen des westlichen Denkens entwickelt. Von uns kann also der Osten den Zweck der Geschichte, den Messias und das persoenliche elterliche Herz Gottes verstehen lernen.

Ein Hymnus besagt, dass es in Christus weder Ost noch West gibt, aber die Realitaet unserer Welt kommt diesen Worten nicht nahe. Heute wird Ost und West durch die Technik auf einer materiellen Ebene miteinander bekannt. Es entstand ein Interesse an oestlicher Religion im Westen und das Christentum hat ins oestliche Leben eingegriffen. Aber vom wahren Verstaendnis und wahrer Harmonie kann man noch lange nicht reden. Dies gilt nicht nur fuer den Fernen Osten, sondern auch fuer Afrika und Suedamerika.

Das Christentum und alle Religionen stehen vor der Herausforderung, eine harmonische Welt aufzubauen. Die Verwirklichung dieses Zieles haengt eng mit der Wiederkunft des Messias zusammen.

(Zur Schlussbetrachtung )